Giftplanze:
Jakobskreuzkraut (Jakobsgreiskraut)

(Zusammenfassung verschiedener Quellen)

Auch in diesem Jahr hat die Landwirtschaftskammer Rheinland wieder vor der weiteren Ausbreitung dieser Pflanze gewarnt.

Deshalb haben wir nochmal die im letzten Jahr aus den unterschiedlichen Quellen zusammengefasste und im
Internet veröffentlichte Ausarbeitung "recycled".
Wir wollen keine Hysterie erzeugen; schon gar nicht soll jetzt alles, was gelb blüht vorsichtshalber ausgerissen werden.
Sogar aus Irland, wo diese Pflanze bereits in der Vergangenheit großflächig vorhanden war, berichtet die
Tierärztin Andrea Brodie (jetzt USA) aus ihrer langjährigen Praxis auf der Insel, dass nur vereinzelt Vergiftungsfälle
aufgrund dieses Wirkstoffs auftraten. Auf der anderen Seite lassen sich bei Aufnahme kleiner Mengen über längere
Zeiträume die möglichen Symptome nur schwer einer entsprechenden Schädigung zuordnen.
Deshalb ist es schon angeraten, den Empfehlungen der Landwirtschaftskammer folgend die weitere Ausbreitung dieser
Pflanze zu verhindern.

Kurzinfo

Jakobskreuzkraut breitet sich immer mehr auf Wiesen, Weiden und insbesondere dem Brachland aus, besonders stark in 2007 und auch in diesem Jahr ist die Entwicklung wieder recht stark..Warnhinweise siehe auf den Webseiten der Landwirtschaftskammer NRW06/06 07/07 (Pressemitteilung), 0707, und 05/08, WDR2 05/07, Deutschlandfunk 06/06.

Bezüglich der Giftigkeit ist diese Pflanze sehr tückisch, da sie schwere Leberschäden verursacht und das Gift kumulativ wirkt, sich also nicht abbaut und die tödliche Menge auch über einen langen Zeitraum in kleinen Dosen aufgenommen werden kann. So kann die die eigentliche Vergiftung bereits lange vor dem Auftreten von Symptomen erfolgt sein. 

Obwohl besonders Pferde gefährdet sind, ist die Pflanze und ihre Giftigkeit unter Reitern und Pferdehaltern noch weitgehend unbekannt. (In England hingegen ist Jakobskreuzkraut bereits meldepflichtig und muß bekämpft werden.)


Jakobskreuzkraut
Jakobsgreiskraut (Senecio jacobaea).
Foto: Günter Klingenhagen
auf www.lan
dwirtschaftskammer.de


Uni Zürich
Foto aus der Giftpflanzendatenbank der Uni Zürich


Jacobsgreiskrkaut
Zeichnung: Otto Wilhelm Thomé (1885-1905)
Aus der freien Online-Bibliothek http://www.biolib.de von Kurt Stüber.

Beschreibung und Vorkommen

Zur Beschreibung der Pflanze Senecio jacobaea  bzw. Jakobsgreiskraut oder Jakobskreuzkraut verweisen wir auf  Wikipedia,die Giftpflanzendatenbank der Uni Zürich oder auf diese schweizer Seite über Kräuter.

Es handelt sich also um einen bis zu einem Meter hohen, mehrjährigen, gelbblühenden Korbblütler mit gefiederten Blättern, der erst im zweiten Jahr blüht. (Blütezeit Juni bis September).

Verwechslungen sind mit Löwenzahn (im Rosettenstadium), Wiesen-Pippau, Johanniskraut, oder
Kamille möglich.

Da die Planze sehr anspruchslos ist, findet man sie häufig auf Brachflächen, Böschungen, Wegen, Feld- und Wiesenrändern sowie extensiv genutzten Weiden ohne Weidepflege und Nachmahd. Insbesondere auf Pferdeweiden gelangt sie häufig zur Aussamen und findet auf überweideten und geschädigten Bereichen optimale Keimbedingungen.
Blätter
Rosettenblätter (links) und Stängelblätter des Jakobsgreiskrautes (Senecio jacobaea).
Foto: Eugen Winkelheide
auf www.landwirtschaftskammer.de

Rosette
Blattrosette des
Jakobsgreiskrautes (Senecio jacobaea).
Foto: Eugen Winkelheide
auf www.landwirtschaftkammer.de

Giftigkeit

Die ganze Pflanze wird als sehr giftig (Uni Zürich) eingestuft. Die letale Dosis beim Pferd wird mit 5-20% des Körpergewichts angegeben. Hierbei ist allein die Gesamtmenge der Pyrrodizinalkalide relevant unabhängig von dem Zeitraum der Aufnahme. Also schädigen selbst kleine Dosen die Leber dauerhaft. Die Auswirkungen der Vergiftung sind kumulativ und können auch noch Monate nach der Aufnahme noch zum Tode führen.

Bezüglich der Aussagen, in welchem Stadium die Pflanze am gefährlichsten ist, sind die Quellen nicht einheitlich: Eindeutig ist aber die Aussage zur höchsten Giftkonzentration in den Blüten. In diesem Stadium wird sie als lebende Pflanze glücklicherweise im  Allgemeinen verschmäht, da sie ab dem Schoßstadium einen unangenehmen Geruch hat. Meine eigenen Beobachtungen widersprechen dem aber: Ich habe im letzten Jahr einige (noch nicht blühende) Schosse mit abgeknabberten Spitzen entdeckt. Bezüglich des Rosettenstadiums der jungen Pflanzen heißt es, daß sie in diesem Stadium durchaus noch gern gefressen werden, wobei zumindest mehrere Quellen gerade auch die Jungplanzen als besonders giftig aufführen.

Im getrockneten Stadium, z.B. in Heu oder Silage, verliert die Planze vollkommen ihren abschreckenden Geruch, nicht aber ihre Giftigkeit und ist dann besonders gefährlich.

Symptome

Die Vergifttungssymptome sind vielfältig, und oft ist es schwierig, sie einer Schädigung durch Jakobskreuzkraut zuzuordnen. Die Vergiftung verläuft kumulativ mit einer chronischen Leberschädigung. Wenn das Gift regelmäßig und in größeren Mengen aufgenommen wird, kommt es lt., Tierazt Heiner Vorbohle aus Stukenbrock zu  Appetitlosigkeit, gelblichen Schleimhäuten, die Tiere wirken abgeschlagen und müde.

Eine vollständige Übersicht möglicher Symptome bei akuter Vergiftung findet man bei der Schilderung von Versuchen der Uni Zürich. Alarmierend ist auch ein Bericht aus der Schweiz über den Fall einer  akuten Vergiftung.

Eine weitere ausführliche Darstellung findet man in der fachmedizinischen Arbeit  "Enzootische Leberdystrophie und hepatoenzephales Syndrom bei Pferden nach Vergiftung mit Senecio alpinus" von 1990, in der es um Vergiftungen durch das Alpenkreuzkraut geht.

Therapie

Die Behandlung einer akuten Vergiftung ist aussichtslos, auch bei einer chronischen Vergiftung bestehen nur geringe Heilungschancen. Die einzige Empfehlung der Uni Zürich hierzu lautet, sofort den Zugang zu dem gifthaltigen Futter auszuschließen.

Präventive Maßnahmen

Die einzige Maßnahme liegt in der Vermeidung der Aufnahme. Dazu dienen zum einen alle Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung, zum anderen die Entfernung bereits vorhandener Pflanzen.

Gute Voraussetzung, für den Nichtbefall der eigenen Flächen sind

  • eine gesunde, dichte Grasnarbe ohne Fehlstellen,
  • das frühe und regelmäßige Beweiden,
  • danach Nachmahd bzw. Mulchen,
  • sowie das Entfernen der Pflanze an Weiderändern und benachbarten Flächen. 
Schädlich sind umgekehrt:
  • kahle Stellen,
  • Überweidung,
  • fehlende Nachpflege,
  • insbesondere natürlich das Ausblühen lassen vorhandener Pflanzen auf oder in der Nähe der Weide,
    (lt.
    Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rhld.Pfalz (DLR) kann jede Pflanze bis zu 3000 Samen bilden)
  • oder das Mähen oder Mulchen bereits blühender Pflanzen, ohne diese wegzuräumen.

Die Landwirtschaftskammer NRW empfiehlt zur Vermeidung des Aussamens das Schneiden der Pflanze vor Blühbeginn. Dadurch kann das Jakobskreuzkraut gut zurückgedrängt werden, da es sehr empflindlich auf häufige und frühe "Nutzung" reagiert. Bereits blühende Pflanzen müssen unbedingt abgeräumt werden und die Pflanzen in Weideecken, an Zäunen, Böschungen etc. unbedingt mit erfaßt werden.

Bei Flächen, die zum Abweiden anstehen, sollte man die Stellen ausmähen und entsorgen, oder besser noch die einzelnen Pflanzen ausreißen. (Eigene Erfahrungen zeigen, daß dies, zumindest bei den jetzt feuchten Böden, ganz gut geht, wenn man gleichmäßig und vorsichtig langsam zieht; dann kommt auch die Wurzel mit).

Aber Vorsicht: Lt. Tierärztin Andrea Brodie sollte man dabei unbedingt Handschuhe tragen, da das Gift auch als Kontaktgift über die Haut in die Leber gelangen kann. Dies zeigen Untersuchungen an irischen Kindern und Bauern, die jahrelang per Hand das Kraut entfernt hatten.

Ähnlich sind auch die Empfehlungen des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Rhld.Pfalz (DLR). Dort erhält man auch die Artikel "Giftpflanzen im Grünland" und "Leistungsfähiges Grünland für gesunde Pferde".

Weitere Hinweise - auch zur chemischen Bekämpfung findet man auf einer weiteren Seite der Landwirtschaftskammer NRW.

Zusammenstellung der Quellen

  1. „Warnung vor dem Jakobsgreiskraut“ http://www.landwirtschaftskammer.de/fachangebot/ackerbau/gruenland/jakobsgreiskraut.htm
  2. „Jakobskreuzkraut rasant ausgebreitet“ http://www.landwirtschaftskammer.com/presse/archiv/aa-2007-25-02.htm
  3. „Warnung vor dem Jakobskreuzkraut“ http://www.landwirtschaftskammer.de/fachangebot/ackerbau/gruenland/jakobskreuzkraut.htm
  4. „Giftpflanze breitet sich weiter aus“ http://www.landwirtschaftskammer.com/presse/aa-2008-19-03.htm
  5. „Schön, aber gefährlich“ http://www.wdr.de/radio/wdr2/westzeit/377883.phtml
  6. „Giftig für das Weidevieh“ http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/533173/
  7. „Jakobs-Greiskraut“ http://de.wikipedia.org/wiki/Jakobs-Greiskraut
  8. http://www.vetpharm.unizh.ch/giftdb/pflanzen/0038_bot.htm
  9. http://www.kaesekessel.de/kraeuter/j/jakobsgreiskraut.htm
  10. http://www.vetpharm.unizh.ch/giftdb/IMGHTML/0038_14B.htm
  11. http://de.wikipedia.org/wiki/Wiesen-Pippau
  12. http://www.kaesekessel.de/kraeuter/j/johannisk.htm
  13. http://www.kaesekessel.de/kraeuter/k/kamille.htm
  14. http://www.vetpharm.unizh.ch/giftdb/pflanzen/0038_tox.htm
  15. http://de.wikipedia.org/wiki/Pyrrolizidinalkaloide
  16. „Letale Dosis“ http://www.vetpharm.unizh.ch/giftdb/pflanzen/0038_vet.htm http://www.tierisch.ch/Berichte/Jakobs-Kreuzkraut.htm
  17. http://www.amtstieraerzte.de/artikel_anzeigen.php?artikelid=125
  18. http://www.vetpharm.unizh.ch/giftdb/pflanzen/0038_vet.htm
  19. „Jakobskreuzkraut - ein Problemkraut?“ http://www.gruenland.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/ALL/E97E9658C595151CC12571B600256A49?OpenDocument
  20. http://www.landwirtschaftskammer.de/fachangebot/ackerbau/gruenland/jakobsgreiskraut.htm
  21. http://www.gruenland.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/ALL/E97E9658C595151CC12571B600256A49?OpenDocument
  22. „Giftpflanzen im Grünland“ http://www.gruenland.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/c2f44bc178cb4b7bc12570b8007130dc/d79ef925a1d2dd0ec12572e20023a98c/$FILE/
    ATT4SBHA/Giftpflanzen im Grünland.pdf
  23. „Leistungsfähiges Grünland für gesunde Pferde“ http://www.gruenland.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/c2f44bc178cb4b7bc12570b8007130dc/5cd63984d33f51c2c125730c003fe873/$FILE/
    LeistungsfähigesGrünland für gesunde Pferde.pdf
  24. http://www.landwirtschaftskammer.com/fachangebot/ackerbau/aktuell/2007-20.htm#Gruenland
  25. „Jakobskreuzkraut - eine ernste Gefahr für die Landwirtschaft“ http://www.landwirtschaftskammer.com/riswick/versuche/pflanzenbau/gruenland/veroeffentlichungen/jakobskreuzkraut-2007.htm
    und http://www.landwirtschaftskammer.com/riswick/pdf/jakobskreuzkraut-2007.pdf
  26. „Verhindern der Ausbreitung von Jakobsgreiskraut auf Dauergrünland“ http://www.landwirtschaftskammer.com/riswick/versuche/pflanzenbau/gruenland/veroeffentlichungen/jakobsgreiskraut-2006.htm
    und http://www.landwirtschaftskammer.com/riswick/pdf/jakobsgreiskraut-dauergruenland-2006.pdf
PDF-Version zum Ausdrucken (noch die nicht überarbeitete Version von 2007)

Wolfgang Huppertz 29.06.2007 / 13.07.2008